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Freitag, 22 September 2017 02:09

Ein Besuch bei addi

Ich freute mich schon lange auf diesen besonderen Tag. Bei der Gustav Selter GmbH & Co. KG in Altena - besser bekannt unter addi - war ich zur Werksbesichtigung nebst Bloggertreffen eingeladen. Das familiengeführte Unternehmen sitzt im Sauerland, genau genommen in Altena, Stadtteil Dahle. Ist ja keine Entfernung, dachte ich mir so, und verzichtete bei dieser Reise auf die Deutsche Bahn und fuhr mit dem Auto. Nun ja, auch 160 km können sich ziehen. Die Strecke war quasi EINE einzige Baustelle und die letzten 30 km Landstraße zogen sich enorm. Landschaftlich sehr schön gelegen - aber doch einsam irgendwie. Kein Wunder, dass sich die Einwohnerzahl in den letzten Jahren von 36.000 auf 18.000 halbiert hat. Mit fliegenden Fahnen traf ich also Mittwoch in Altena ein, genau pünktlich zum Treffen. Einige Blogger waren schon am Vorabend angereist und hatten schon ordentlich gestrickt, gehäkelt und sich ausgetauscht. Das konnte ich auf Instagram bereits verfolgen und war ehrlich gesagt auch etwas neidisch auf die gemütliche Runde. 

 

Alle zusammen trafen wir uns gegen halb 11 bei addi im Verwaltungsgebäude und wurden sehr herzlich von Herrn Thomas Selter, dem Inhaber der Firma, und seinem Team begrüßt. Ein Gläschen Sekt und eine kurze Einführung von Herrn Selter und dann ging es schon los ins Werk. Darauf hatte ich mich besonders gefreut, interessiert mich die Herstellung eines Produktes doch immer sehr. Wir hatten Einblick in die gesamt Produktionskette vom Rohling bis zur fertigen Nadel.

Es wird gestanzt, geformt,

entgratet, reduziert, galvanisiert,

poliert

und sogar geheiratet! Ganze 25 Arbeitsschritte braucht es teilweise zur Herstellung einer Nadel.

Hier werden gerade in liebevoller Handarbeit die Nadelsets bestückt

In der Firma sind ca. 110 Mitarbeiter beschäftigt, davon ca. 30 in Heimarbeit für die Verpackung. Alles noch echte Handarbeit Made in Germany. Es können täglich 15 - 20.000 Rundstricknadeln gefertigt werden. Welche eine Zahl! Diese werden dann weltweit in ca. 50 Länder ausgeliefert. In Russland ist addi Marktführer und in Amerika - hier haben die Rundstricknadeln rote Seile - ist addi auch an der Spitze. Dort wird Herr Selter nur Mr. addi genannt. In China ist Herr Selter hingegen als Mr. Thomas bekannt. Andere Länder - andere Sitten. Auch in Norwegen - wohl fast in ganz Skandinavien - ist addi Marktführer. Das alles könnte auch daran liegen, dass es die Firma bereits seit 188 Jahren gibt. Und vor allem, dass sie die große Krise Ende der 80er Jahre als einziger von 14 deutschen Stricknadelherstellern überstanden hat! Wenn auch nur knapp, wie uns Herr Selter später berichtete.

Die Qualität spricht hier natürlich auch für das Produkt. Es gibt ca. 8 % Ausschuss in der Produktion. Rigoros wird alles aussortiert, was nicht den hohen Qualitätsstandards entspricht. Dadurch liegt die Reklamationsquote weit unter  1 %. Und sollte es doch mal zu einer Reklamation kommen, wird das Produkt anstandslos ausgetauscht.

Woher kommt nun der Name addi? Die Mutter von Herrn Selter hatte bereits in den 50er Jahren die Idee zum ersten Katalog. Und dabei entschied sie, dass die Firma einen kurzen einprägsamen Namen haben müsse. Addi - das war der Spitzname ihres Mannes Gustav Adolf - so sollte die Firma ab jetzt heißen. Das dies eine sehr gute Wahl war, stellte sich später, als die Firma zunehmend internationaler tätig wurde, heraus. Denn in jedem Land kann der Name addi problemlos ausgesprochen werden - ob in Amerika, China oder den skandinavischen Ländern.

Ich habe einen sehr guten Eindruck mitgenommen vom Unternehmen. Es herrscht eine gute und familiäre Atmosphäre. Das merkt man auch daran, dass die Mitarbeiter immer bereit sind, eine Extra-Schicht einzulegen, wenn mal ein Engpass besteht. Zum guten Arbeitsklima trägt sicher auch die monatliche Mitarbeiterrunde bei, die Herr Selter bereits vor 15 Jahren installiert hat. Hier werden die Mitarbeiter über den aktuellen Stand informiert, über Neuigkeiten und Pläne auf dem laufenden gehalten. Das gefällt mir richtig gut.

Zwischendurch ging es zurück ins Hotel und wir nahmen ein leckeres leichtes Mittagessen zu uns. Danach ging es wieder ins Firmengebäude, wo eigens für das Bloggertreffen ein Raum eingerichtet wurde für uns... 

 

Sylvia Rasch, besser bekannt als Crasy Sylvie, durfte uns hier beim Come together das neueste Produkt von addi vorstellen.

Sie hat in Zusammenarbeit mit addi die addiCraSyTrio Nadeln erfunden. Das Nadelspiel besteht aus 3 biegsamen Nadeln mit je zwei verschiedenen Spitzen (Basic und Lace). Das Strickstück, gedacht sind die Nadeln vorwiegend für Socken, sitzt auf zwei Nadeln und mit der dritten wird abgestrickt. Dadurch, dass die Nadeln in der Mitte ein kurzes Seil haben, sind sie sehr flexibel und das Hantieren damit wird gegenüber herkömmlichem Nadelspiel - bestehend aus 5 steifen Nadeln - sehr erleichtert.

Ich war zuerst skeptisch. Man hat als erfahrene Strickerin eben so seine Vorlieben. Wenn man sich aber mal aus der Komfortzone heraustraut und sich auf Neues einlässt, kann man doch die eine oder andere tolle Erfahrung machen. So auch hier. Nachdem ich mich mal an die Flexibilät der Nadeln gewöhnt hatte, ging mir das Ganze gut von der Hand. Ich stricke damit ein sehr schönes gleichmäßiges Maschenbild ohne die berühmten Leitern an den Übergängen. Ich stricke allerdings fester als mit dem Nadelspiel, denn normalerweise stricke ich Socken mit 2,25 mm Nadelstärke, hier reicht aber durchaus das 2,5 mm Trio. Meine erste Socke ist schon fast fertig. Die Wolle ist Step Color Nr. 18 von Austermann, die uns freundlicherweise vom Sponsor zur Verfügung gestellt wurde.

Auch für Ärmel, die in der Runde gestrickt werden, kann ich mir das flexible Trio sehr gut vorstellen. Und natürlich für Verzopfungen. Toll, dass wir in der "kleinen" Goodie-Bag gleich mal 3 verschiedene Stärken erhalten haben. Wenn Ihr sie ausprobieren wollt, die Nadeln kommen in den nächsten Tagen in den Handel.

Das Highlight für alle war wohl die personalisierte Rundstricknadel, die wir von Herrn Selter erhalten haben. Jeder bekam eine 5,0 mm Rundstricknadel mit eigenem Namen. Ist das nicht toll? Und das beste ist, man kann sie unbedenklich benutzen, denn der Name wurde mit der neuen Lasermaschine aufgebracht und geht also nicht ab.


Die Großzügigkeit der Familie Selter muss ich nochmal erwähnen. Beide, Herr Selter und seine Gattin, Frau Malcus, sind sehr herzliche und offene Menschen, die ich als bodenständig und sehr leidenschaftlich kennenlernen durfte. Sie haben sich mit den Vorbereitungen so viel Mühe gegeben, der ganze Tag war einfach nur gelungen und von vielen Überraschungen und Neuigkeiten geprägt. Wir durften in vieles Einblick nehmen, uns vorher wünschen, welche Produkte wir gerne anschauen möchten, alle Produkte ausprobieren und zum ausgiebigen Testen mit nach Hause nehmen. Viele Wollhersteller u.a. haben als Sponsoren fungiert

und wir hatten genügend Wolle zum Schwelgen und Testen.


Wer Stash abbauen wollte, war hier fehl am Platz... Eine große Goodie-Bag bekamen wir zum Schluß auch noch

Über einige Dinge werde ich separat noch berichten, sonst wird es hier heute zu lang. Z.B. warum es ein schwarz-rot-goldenes Sofa gab.

Alles in allem kann ich nur sagen:

Danke an addi - Es war ein wunderbarer Tag!


Übrigens, auf die Frage, ob Herr Selter denn auch stricken kann, erzählte er uns, dass er nur ein einziges Mal in seinem Leben eine Reihe Luftmaschen gehäkelt habe. Und zwar vor lauter Langeweile auf einer Messe in London.

Und einen Verbesserungsvoschlag hätte ich noch, lieber Herr Selter. Bitte stellen Sie an jedem größeren Bahnhof einen solchen Automaten auf. Damit wäre uns Handarbeiterinnen wirklich sehr geholfen!

 Happy Knitting!

 

PS. Wer sich jetzt noch fragt, warum eigentlich bei addi geheiratet wird - hier die Auflösung:
In der Hochzeitsabteilung werden die Nadelspitzen mit den Seilen verbunden, quasi "verheiratet".

Freigegeben in Sonstiges
Mittwoch, 16 November 2016 07:36

prym.ergonomics

Bereits beim großen Bloggertreffen in Berlin Ende September durfte ich die neue Generation Stricknadeln von Prym testen. Stricken 3.0. Ich war sehr skeptisch. Stricknadeln aus Kunststoff...? Ich doch nicht. Hatte ich doch schon lange alle Plastiknadeln in den Schrank verbannt und nur für absolute Stricknotfälle aufgehoben. Falls ich nach Geschäftsschluss noch dringend eine fünfte 3er Nadel brauche. Oder so. 

Getreu dem Motto "man muss auch mal für Neues offen sein" (gell, Tochter ;)?) schaute ich mir die versprochene Neuheit genauer an. Zur Auswahl standen die Prototypen in Stärke 5,0 in Form von Rundstricknadeln, Nadelspiel und langen Jackennadeln. Ich wählte meine bevorzugte Variante, die Rundstricknadel, aus.

 

 

 

 

Mit einem dünneren Garn, quasi Lace (sieht irgendwie winterlich aus, das Foto...)

 

 

 

und einem  dickeren Garn aus dem reichhaltigen Angebot beim Bloggertreffen strickte ich Maschenproben. 

 

 

Ganz ehrlich, dass man diese Nadeln mit den alten Plastiknadeln nicht mehr vergleichen kann, war mir sofort klar. Sie liegen durch die ergonomische Form sehr gut in der Hand. Der sogenannte "triangle-shape" - der Nadelschaft ist erst rund, dann dreieckig - ist sehr handfreundlich. Die Maschen sollen besser auf der Nadel gleiten und das tun sie auch. Man sollte allerdings nicht zu fest stricken.

Sehr irritiert war ich zuerst von der tropfenförmigen Spitze, die sogenannten "hook tips". Ich stricke normalerweise sehr schnell (nach nahezu 40 Jahren Stricken entwickelt sich eine gewisse Schnelligkeit). Aber mit diesen Spitzen? Doch. Genau mit diesen Spitzen geht schnell auch! Den Beweis dafür liefere ich auch gleich. Zwei Tage später beim Yarncamp in Frankfurt war Prym auch vertreten, um die neuen Nadeln vorzustellen. Und es gab mehrere Schnellstrickwettbewerbe. Jetzt dürft ihr raten, wer einen ersten Platz belegt hat ;) Einen schönen Projektbeutel mit Schere und Nadelkissen von Prym habe ich gewonnen. Ich bin jetzt übrigens Beutelschwester vom Häkelmonster ;)

 

 

Die mit Kunststoff ummantelten Stahlseile behalten sehr gut ihre Form. Die Seile mag ich sehr. Am Übergang vom Seil zur Nadelspitze hakte es noch etwas. Die Mitarbeiter von Prym haben unsere Kritiken - ob negativ oder positiv - sehr gerne auf- und mitgenommen. Dafür sollten wir die Nadeln, die immerhin nur Prototypen waren, schließlich testen. 

Besonders zu erwähnen finde ich noch die "click heads". Die langen Jackennadeln kann man an den Enden jeweils zusammenklicken, dann geht einerseits keine Nadel verloren und andererseits kann man das Gestrick zwischen den Nadeln parken. Die eingeprägte Nadelstärke auf dem Schaft finde ich toll, da ribbelt sich nichts mehr ab und man muss die Stärke nur ablesen statt nachmessen.

 

Mein Fazit:

Die neue Generation Nadeln liegt sehr gut in der Hand. Sie sind schön leicht und sehr leise. Die Seile haben eine tolle Qualität. Ich denke, dass sie für Anfänger besonders gut geeignet sind aufgrund der tropfenförmigen Spitze. Gerade zu Anfang einer Strickkarriere rutschen gerne mal die Maschen von der Nadelspitze, das ist hiermit ausgeschlossen.

 

 

Ich hätte mir die Nadeln niemals gekauft, deshalb bin ich sehr froh, dass ich sie teststricken durfte. Gespannt bin ich auf die dünneren Nadelspiele, dann werde ich mir sicher eins besorgen und ausgiebig testen.

Und da wir die Nadeln mit nach Hause nehmen durften, stricke ich mir jetzt eine Mütze damit. Das Maschenbild wird nämlich ausgesprochen gleichmässig. Es wird eine einfache Mütze mit Zöpfen und ist eine freie Anleitung knotted rib hat, zu finden bei ravely. Gestrickt aus Hercolamb, 100 % Schurwolle.

 

 

 

Ich weiß, mein Bericht ist sehr spät - aber dafür müsst ihr jetzt nicht mehr lange warten, wenn ihr die Nadeln auch ausprobieren möchtet. Spätestens im Dezember kommen sie im Einzelhandel auf den Markt. Hier bei Prym findet ihr nochmal alle Details.

 

Happy knitting!

 

Mützchen verlinkt mit Marisas monatlicher Maschenparty.

 

Dies ist übrigens keine Werbung, sondern ausschließlich meine eigene Meinung zu den freundlicherweise von Prym zur Verfügung gestellten Nadeln.

 

 

 

 

Freigegeben in Stricken

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